KETZERHOFgeschichte

KETZERHOF, die K-Initiative am schärfsten Eck von Meidling wurde angestoßen durch meinen langjährigen Freund und Musikerkollegen, Hary WETTERSTEIN, der eines Tages zu mir kam und sagte: "Ich hab da zwei Jungs aus der ehemaligen DDR da mit einem Klaus Kinsky-Programm, Lesung mit Sax-Intermezzi, und die haben noch einen Termin frei, willst Du nicht was machen?".

Ich sagte: "Klar, Hary, mach mer was", und wir machten was. Im Nu waren die Plakate designt und wir waren beim ersten Gig schon in der Kronen Zeitung (danke, Herr Dichand) und die Bude war überraschenderweise voll von Kinsky-Fans.

Die Präsentation war sensationell (danke Hagen Möckel aus Aschersleben bei Halle an der Saale in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Repupslik), so dass einige Mädchen rausrannten, weil ihnen schlecht wurde. Aber es wurde ihnen nicht schlecht, weil das Programm so mies war, sondern es war ihnen einfach zu intensiv. Der Herr Kinsky hat ja nicht zu Unrecht den Ruf als Parade-Wahnsinniger und das waren Gedichte von ihm persönlich, nicht von dem Softie Villon . . .

Jedenfalls der Hagen Möckel wird folgende Szene nie vergessen (sagt er jedenfalls):

Nach dem Gig sitzen wir im KETZERHOF Kaffeehaus und eine Lady sagt zu Hagen: „Herr Möckel, wenn Sie so gut im Bett sind wie sie vortragen, nehm´ ich Sie gleich mit.“

Tja, ein nettes Kompliment würde ich sagen. Das spricht doch für unsere Vortragenden, meine Damen?

Am schärfsten Eck von Meidling war es bis ca. 2001/2002 so, daß wir hier cirka alle vier Wochen eine Razzia hatten mit der KOBRA Truppe in voller Ausstattung mit Sturmgewehr und Gesichtsmasken, weil die KOBRA hier irgendwelche Dealer suchte, die sich in dem Lokal eingenistet hatten, das damals Cafe Diva hieß.

Das waren großmaßstäbige Dealer und die Autos kamen aus ganz Ostösterreich bis herauf von Kärnten und die Jungs und Mädchen holten sich ihren Stoff hier ab, um ihn dort, wo sie herkamen, wieder weiterzuverkaufen. Lustig. Die Kinder aus Wien standen morgens um zehn schon Schlange vor der Bude, weil sie darauf warteten, daß die Diva-Leute aufsperrten und sie an ihren Stoff kamen.

Am ärgsten war die Chefin von der Bande, eine Alte um die achtzig. Wenn ich zu der was sagte, was sehr selten vorkam, spuckte sie mir einfach auf den Schuh. Und traf auch. Als Antwort, sozusagen. Es war mir irgendwie klar, was sie damit meinen könnte.

Der Subchefe, mir schien, es war ein Früchtchen ihres Leibes, war ein ziemlicher Riegel von einem Kerl, so einsneunzig hoch, schätze ich, und er hatte immer seine was weiß ich für eine Knarre im Schulterhalfter wie in den B-Pictures. Wenn ich zu dem was sagte, was noch seltener vorkam, wie man verstehen wird, sagte er einfach „Nix verstehn“ und das war´s dann an Kommunikation.

Einmal traten die KOBRA Leute der Diva-Bande die Eingangstür ein, weil die nicht aufmachen wollten. Die KOBRAler fanden dort leider keinen Stoff oder zu wenig, um der Diva-Bande richtig ans Leder zu können.

Die Diva-Bande war sehr geschickt (lauter gute Handwerker in der Familie, wahrscheinlich) und nach zwei oder drei Tagen hatten die auf diese Eingangstür des Cafe Diva eine 3 mm starke Stahlplatte draufgenietet mit einem Sehschlitz von ca. 3 mal 15 cm Größe. Und jedes Mal, wenn ich mein Auto aufsperren wollte und gezwungenermaßen den Rücken diesem Sehschlitz mit der Stahlplatte drumherum zuwenden mußte, dachte ich mir: „ Na hoffentlich probiert jetzt nicht ein durchgeknallter Dealer seine neue Automatische an mir aus.“

Jedenfalls durch die Zusammenarbeit zwischen

·         Polizei,

·         Bezirksvorstehung,

·         diversen Magistratsabteilungen und

·         mutigen Anrainern, die sich das nicht mehr länger anschauen wollten,

konnten wir diese unnötigen Zeitgenossen loswerden.

Tja, so war das damals am schärfsten Eck von Meidling.

Heute ist die Gegend sicher. Das finde ich, schlicht gesagt, großartig und ich freue mich sehr, daß das gelungen ist.

Ein großes Danke also an alle

·         Vortragenden.

·         Ausstellenden.

·         Sponsoren,

·         Helfer,

·         Aufmunterer,

·         und vor allem an unsere Gäste und Stammgäste,

Ich danke auch sehr herzlich 

·         Bezirksvorsteherin des 12. Bezirkes Gabriele Votava,

·         Gemeinderätin Inge Zankl,

·         Bezirksrätin Karin Manhartsberger und der

·         MA 7

für die Unterstützung, Beratung und Solidarität.

Ich hoffe, unsere Künstler bleiben uns treu und es kommen neue dazu, sowie natürlich: unsere Gäste erscheinen noch zahlreicher als bisher. Wenn von den 1000 e-mail Adressaten/innen, an die ich das Programm immer ausschicke, jede/r nur zweimal im Jahr in den KETZERHOF kommt, reicht das schon.

Mit ketzerischen Grüßen

Thomas Heinze

KETZERHOFingenieur